Dienstag, 24. November 2015

Buchrezension - Pascale Hugues "Marthe & Mathilde"







Inhalt

"Meine Großmütter hießen Marthe und Mathilde. Ihre Vornamen begannen mit derselben Silbe. Sie sind im selben Jahr, 1902, geboren. Mathilde am 20. Februar, Marthe am 20. September. Sie sind beide im Jahr 2001 gestorben. Mit ein paar Wochen Abstand, ganz am Anfang des neuen Jahrhunderts, kurz vor ihrem hundertsten Geburtstag. Marthe und Mathilde haben das zwanzigste Jahrhundert Seite an Seite durchwandert. Sie waren Freundinnen, seit sie sechs waren. Auf den Stufen einer Vortreppe, die am Vogesenwall 6 im Viertel Saint Joseph hinter dem Bahnhof von Colmar zu einem winzigen Gärtchen hinunterführt, sind sie sich zum ersten Mal begegnet ...."
Seite an Seite durchwandern Marthe und Mathilde im Elsass das 20. Jahrhundert, leben im selben Haus und erleben doch unterschiedliche Schicksale. Denn Marthe ist Französin und Mathilde Deutsche. Spannend, mit Zärtlichkeit und poetischer Kraft erzählt Pascale Hugues die ungewöhnliche Geschichte ihrer Großmütter, in der zugleich ein Stück brisanter deutsch-französischer Vergangenheit auflebt.



Meine Meinung

 Leider ist der Titel "Marthe & Mathilde" ein wenig irreführend: Marthe und Mathilde sind die beiden Großmütter der Autorin, die sehr viel gemeinsam haben. Beide sind 1902 geboren, haben sich im Alter von sechs Jahren kennen gelernt, ihr Leben Seite an Seite verbracht, Marthes Sohn hat Mathildes Tochter geheiratet, beide starben 2001 mit fast 100 Jahren.
Ich habe vor allem die Geschichte dieser besonderen Frauenfreundschaft, die die Ehemänner und zum Teil auch die Kinder überdauerte, erwartet. Eine solche Geschichte wird allerdings nicht erzählt.
Die Autorin konzentriert sich vielmehr allgemein auf die Geschichte ihrer Familie und trägt zusammen, was sie aus Gesprächen mit ihren Großmüttern, alten Briefen und eigenen Recherchen in Erfahrung gebracht hat.
Diese Familiengeschichte ist teilweise interessant, teilweise aber auch ziemlich gewöhnlich. Eine gewisse Besonderheit ergibt sich aus dem Umstand, dass Großmutter Mathilde die Tochter eines Preußen und einer Belgierin ist und mit der Familie im Alter von sechs Jahren ins elsässische Colmar zieht. In der Zeit von 1871 bis 1918 ist das Elsass Teil des deutschen Reichs, die Menschen sprechen zuhause elsässisch und lernen in der Schule deutsch. Das ändert sich, als das Elsass nach dem verlorenen ersten Weltkrieg wieder an Frankreich zurückgeht. Die elsässische Bevölkerung hängt ihr Fähnchen nach dem Wind und jubelt den Siegern zu - es geht heim ins Frankreich. Da Mathilde und ihre Familie keine alteingesessenen Elsässer sind, sondern zugezogene Deutsche, fürchten sie, wie viele andere Deutsche vertrieben zu werden.
Währenddessen ist Mathildes fast zehn Jahre ältere Schwester nach Berlin gezogen, arbeitet dort als Lehrerin und entwickelt sich zur eifrigen Anhängerin der Kommunisten, bis sie im Alter von nicht einmal vierzig Jahren verstirbt.
Auch auf Herkunft und Leben der Großväter, Großtanten und anderer Familienmitgliedern geht die Autorin ein, so dass sich der Leser ein Bild ihrer Familie machen kann. Wirklich zu Herzen geht diese Familiengeschichte allerdings nicht, was wahrscheinlich daran liegt, dass der zeitliche Abstand zu den beschriebenen Geschehnissen zu groß und die Zeugnisse nicht ausreichend sind. Die Autorin stützt sich größtenteils auf die Geschichten ihrer Großmutter Mathilde, die jedoch - wie sie selber zugeben muss - oft unplausibel erscheinen, schöngefärbt und nicht in den jeweiligen historischen Kontext passen können. Zwar gibt Pascale Hugues ihr Bestes, um nach den wahren Kernen der Familienanekdoten zu forschen, kann jedoch oft nur Vermutungen äußern, wie sich was tatsächlich zugetragen haben könnte. Die beschriebenen Personen bleiben somit letztlich sehr schemenhaft und gleichen verblichenen Fotos in einem alten Album.

Ich denke, dass die Autorin mit dem Zusammentragen ihrer Familiengeschichte vor allem sich selbst und eben ihrer Familie einen Gefallen getan hat. Für "Außenstehende" ist eher die Geschichte des Elsasses, seiner Bewohner und deren Beziehung zu Frankreich und Deutschland, die teilweise recht anschaulich beschrieben wird, interessant.





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1 Kommentar:

  1. Hallo meine Liebe. Ich bin eine richtige Lese Verrückte :) Ich lesen sehr sehr gerne. Deine Buch-Beiträge folge ich sehr gerne und finde auch diesen hier ganz interessant, allerdings ist das Buch nicht wirklich mein Fall.

    Liebste Grüße
    Selma

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